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Diabetes Typ 1 - Heilung durch eigene Zellen?

Andrea Peschitz 3 Min. Lesezeit 325. Juli 2025
Diabetes Typ 1 - Heilung durch eigene Zellen?
Eine junge Frau in China mit langjährigem Typ‑1‑Diabetes lebt seit über einem Jahr ohne Insulinspritzen – dank einer neuartigen Stammzelltherapie aus körpereigenem Fettgewebe. Das ist das Ergebnis...

Eine junge Frau in China mit langjährigem Typ‑1‑Diabetes lebt seit über einem Jahr ohne Insulinspritzen – dank einer neuartigen Stammzelltherapie aus körpereigenem Fettgewebe. Das ist das Ergebnis jahrelanger Forschung und ein möglicher Wendepunkt in der Behandlung der Autoimmunerkrankung, an der weltweit rund 8,7 Millionen Menschen leiden.

Die medizinische Innovation besteht darin, Fettzellen aus dem Gewebe der Patientin zu entnehmen und in sogenannte chemisch induzierte pluripotente Stammzellen (CiPSC) umzuprogrammieren. Diese wurden anschließend im Labor zu insulinproduzierenden Beta-ähnlichen Inselzellen (Islet-Zellen) weiterentwickelt. Das Ergebnis: Bereits 75 Tage nach der Transplantation konnte die Frau auf Insulin verzichten – und blieb seither stabil.

Was genau wurde gemacht?

Die Forscher in Tianjin griffen auf einen chemischen Cocktail zurück, um aus Fettzellen Stammzellen zu erzeugen. Anders als bei der klassischen iPSC-Technik, bei der Gene eingeschleust werden, gelang dies rein über kleine Moleküle. Die so gewonnenen pluripotenten Zellen wurden gezielt in insulinproduzierende Zellen umgewandelt. Die Erfolgsquote war beachtlich: Bis zu 70 % der erzeugten Zellen zeigten die gewünschten Marker (NKX6.1⁺/C-Peptid⁺).

Im Unterschied zu bisherigen Therapien, bei denen Spenderzellen über die Leberpfortader eingebracht werden, wählten die Mediziner einen neuen Weg: Die Islet-Zellen wurden unter die Bauchhaut injiziert. Dieser Ansatz erlaubt nicht nur eine bessere Überwachung per MRT, sondern auch eine sichere Entfernung bei Komplikationen. Bislang sind keine Abstoßungsreaktionen bekannt – ein Vorteil, der vermutlich auch auf die Verwendung körpereigener Zellen zurückzuführen ist.

Die Ergebnisse im Überblick

  • Insulinfrei nach 75 Tagen

  • HbA1c-Wert sank auf 5,4 %

  • 96 % Zeit im Zielbereich bei Blutzuckerwerten

  • Über 1 Jahr ohne exogene Insulingabe

  • Keine akuten Nebenwirkungen oder Immunreaktionen

Die Patientin hatte zuvor seit über zehn Jahren an Typ‑1‑Diabetes gelitten. Begleitend erhielt sie eine milde immunsuppressive Therapie, allerdings primär aufgrund einer früheren Lebertransplantation. Ob eine ähnliche Wirkung auch bei Patienten ohne Immunsuppression erreichbar ist, bleibt Gegenstand künftiger Studien.

Hoffnung für Millionen – aber mit Einschränkungen

Auch wenn die Ergebnisse spektakulär sind, warnen Experten vor verfrühter Euphorie. Es handelt sich bisher um einen Einzelfall. Zwei weitere Patienten sind in die bei "Nature" veröffentlichte Pilotstudie eingeschlossen worden, deren Ergebnisse stehen noch aus. Für eine echte „Heilung“ im medizinischen Sinne wären außerdem mehrere Jahre ohne Insulin, ohne Rückfall und ohne Immunsuppressiva notwendig.

Zudem ist der Herstellungsprozess aufwendig, die Zellerzeugung komplex, und die langfristige Sicherheit noch nicht abschließend bewertet. Dennoch: Der erste dokumentierte Fall eines insulinfreien Jahres durch autologe Stammzellen könnte den Weg in eine neue Ära der Diabetesbehandlung ebnen.

Was unterscheidet diese Methode von bisherigen Therapien?

Bereits 2023 wurde in den USA mit Lantidra (Donislecel) ein Islet-Transplantat aus Spenderzellen zugelassen. Diese Therapie zeigt teils jahrelange Insulinunabhängigkeit, erfordert aber eine lebenslange Immunsuppression – mit entsprechenden Risiken. Der nun in China gegangene Weg hingegen nutzt ausschließlich körpereigene Zellen, was viele ethische und immunologische Probleme umgeht.

Auch Unternehmen wie Vertex arbeiten weltweit an Lösungen auf Basis von Stammzellen, doch der chinesische Ansatz zeigt als erster, dass eine insulinfreie Zeit über zwölf Monate hinweg ohne Spenderzellen möglich ist.

Was in Tianjin gelang, könnte langfristig die Therapie chronischer Autoimmunerkrankungen revolutionieren. Noch ist der Weg lang – aber der Fall zeigt, dass Typ‑1‑Diabetes nicht zwangsläufig ein lebenslängliches Schicksal sein muss. Für Millionen Betroffene weltweit ist das ein Hoffnungsschimmer.

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