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Diese Blutgruppe erhöht das Schlaganfallrisiko bei unter 60-Jährigen um 16 Prozent

Marco Maier 5 Min. Lesezeit 529. Juni 2025
Diese Blutgruppe erhöht das Schlaganfallrisiko bei unter 60-Jährigen um 16 Prozent
Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und dem Risiko, einen frühen Schlaganfall zu erleiden? Offensichtlich schon. Zumindest weist eine großangelegte Metaanalyse darauf hin. Kennen Sie...
Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und dem Risiko, einen frühen Schlaganfall zu erleiden? Offensichtlich schon. Zumindest weist eine großangelegte Metaanalyse darauf hin. Kennen Sie ihr Schlaganfallrisiko? Eine großangelegte genetische Analyse enthüllt einen überraschenden Zusammenhang zwischen Ihrem Bluttyp und dem Risiko für einen frühen Schlaganfall. Menschen mit Blutgruppe A haben demnach ein um 16 Prozent erhöhtes Risiko für Schlaganfälle vor dem 60. Lebensjahr – während Blutgruppe O sogar schützend wirken könnte.

Die Studie: 48 Untersuchungen mit über 600.000 Teilnehmern

Die bahnbrechende Metaanalyse der University of Maryland School of Medicine wertete Daten von 48 genetischen Studien aus, die insgesamt rund 17.000 Schlaganfallpatienten und fast 600.000 gesunde Kontrollpersonen zwischen 18 und 59 Jahren umfassten. Die Ergebnisse, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Neurology, zeigen erstmals in diesem Umfang den Einfluss des ABO-Gens auf das Schlaganfallrisiko bei jüngeren Erwachsenen. Bei der genomweiten Analyse identifizierten die Forscher zwei Genregionen, die stark mit einem frühen Schlaganfallrisiko assoziiert waren. Eine davon lag genau dort, wo sich die Gene für die Blutgruppenbestimmung befinden. Eine detailliertere Untersuchung der verschiedenen Blutgruppen-Genvarianten offenbarte dann die entscheidenden Unterschiede zwischen den Bluttypen.

Blutgruppe A: Warum das erhöhte Schlaganfallrisiko?

Menschen mit der genetischen Variante für Blutgruppe A1 zeigten ein um 16 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle vor dem 60. Lebensjahr im Vergleich zu anderen Blutgruppen. Im Kontrast dazu hatten Träger der Blutgruppe O1 ein um 12 Prozent verringertes Risiko für frühe Schlaganfälle. "Wir wissen noch nicht genau, warum Blutgruppe A ein höheres Risiko mit sich bringt", erklärt Studienleiter und Gefäßneurologe Steven Kittner von der University of Maryland. "Aber es hängt wahrscheinlich mit Blutgerinnungsfaktoren wie Blutplättchen und den Zellen zusammen, die die Blutgefäße auskleiden, sowie anderen zirkulierenden Proteinen, die alle eine Rolle bei der Entstehung von Blutgerinnseln spielen." Diese Erklärung fügt sich in das bekannte Bild ein, dass frühe Schlaganfälle häufiger durch Gerinnungsstörungen verursacht werden, während später auftretende Schlaganfälle meist auf Arterienverkalkung (Arteriosklerose) zurückgehen. Die genetischen Eigenschaften der Blutgruppe A scheinen die Neigung zur Blutgerinnselbildung zu verstärken.

Blutgruppe O als Schutzfaktor gegen frühe Schlaganfälle

Interessant ist der schützende Effekt der Blutgruppe O. Die Datenanalyse zeigte, dass 35 Prozent der Menschen mit frühem Schlaganfall Blutgruppe O hatten, verglichen mit 41 Prozent in der gesunden Kontrollgruppe. Dieser Unterschied deutet darauf hin, dass Blutgruppe O tatsächlich vor frühen Schlaganfällen schützen könnte. Die Blutgruppe O ist charakterisiert durch das Fehlen der A- und B-Antigene auf den roten Blutkörperchen. Diese strukturellen Unterschiede könnten die Blutgerinnung und Gefäßfunktion beeinflussen, was zu dem beobachteten Schutzeffekt führt.

Altersabhängige Unterschiede: Warum nur bei jungen Erwachsenen?

Ein faszinierender Aspekt der Studie ist die Altersspezifität der Befunde. Als die Forscher Menschen über 60 Jahre untersuchten, verschwand der Zusammenhang zwischen Blutgruppe A und Schlaganfallrisiko nahezu vollständig. Dies deutet darauf hin, dass frühe und späte Schlaganfälle unterschiedliche biologische Mechanismen haben. Während Schlaganfälle bei jüngeren Menschen häufiger auf Gerinnungsstörungen und genetische Faktoren zurückgehen, dominieren bei älteren Patienten erworbene Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Arterienverkalkung. Die genetische Komponente der Blutgruppe wird im höheren Alter von diesen stärkeren Risikofaktoren überlagert.

Blutgruppe B: Erhöhtes Risiko in allen Altersgruppen

Die Analyse offenbarte auch einen interessanten Befund für Menschen mit Blutgruppe B: Sie hatten unabhängig vom Alter ein um etwa 11 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko. Dies unterscheidet sich vom altersspezifischen Muster der Blutgruppe A und deutet auf andere zugrunde liegende Mechanismen hin. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die ABO-Genregion mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist, einschließlich der Verkalkung von Herzkranzgefäßen und einem erhöhten Risiko für Venenthrombosen bei den Blutgruppen A und B.

Einordnung der Ergebnisse: Kein Grund zur Panik

Obwohl diese Ergebnisse wissenschaftlich bedeutsam sind, betonen die Forscher, dass das zusätzliche Risiko für Menschen mit Blutgruppe A relativ gering ist. Es besteht kein Bedarf für zusätzliche Überwachung oder Screening-Maßnahmen allein aufgrund der Blutgruppe. In den USA erleiden jährlich knapp 800.000 Menschen einen Schlaganfall, wobei drei von vier Fällen bei Menschen über 65 Jahren auftreten. Das Risiko verdoppelt sich ab dem 55. Lebensjahr mit jedem Jahrzehnt. Die genetische Komponente der Blutgruppe ist nur ein kleiner Baustein im komplexen Gefüge der Schlaganfall-Risikofaktoren.

Praktische Konsequenzen für die Prävention

Diese Erkenntnisse über Blutgruppe und Schlaganfallrisiko ändern nichts an den etablierten Präventionsstrategien. Die wichtigsten Faktoren für die Schlaganfallprävention bleiben weiterhin Lebensstilfaktoren, die Sie aktiv beeinflussen können: Herzgesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie wenig gesättigten Fetten senkt das Schlaganfallrisiko erheblich. Regelmäßige Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System und verbessert die Durchblutung. Die Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker ist entscheidend, ebenso wie der Verzicht auf Rauchen und ein maßvoller Alkoholkonsum. Für Menschen mit Blutgruppe A könnte es sinnvoll sein, diese Präventionsmaßnahmen besonders konsequent umzusetzen. Ein Gespräch mit dem Hausarzt über individuelle Risikofaktoren und geeignete Präventionsstrategien ist in jedem Fall empfehlenswert – unabhängig von der Blutgruppe.

Ausblick: Weitere Forschung notwendig

Die Studie umfasste vorwiegend Teilnehmer europäischer Abstammung aus Nordamerika, Europa, Japan, Pakistan und Australien. Menschen nicht-europäischer Herkunft machten nur 35 Prozent der Studienteilnehmer aus. Zukünftige Untersuchungen mit einer diverseren Studienpopulation könnten helfen, die Bedeutung dieser Ergebnisse für verschiedene ethnische Gruppen zu klären. "Wir benötigen eindeutig weitere Folgestudien, um die Mechanismen des erhöhten Schlaganfallrisikos zu klären", so Studienleiter Kittner. Die Entschlüsselung der genauen biologischen Wege könnte neue therapeutische Ansätze eröffnen und das Verständnis für die Entstehung früher Schlaganfälle vertiefen.

Wissen nutzen, ohne sich zu sorgen

Die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Blutgruppe A und erhöhtem Schlaganfallrisiko bei jungen Erwachsenen ist ein wichtiger wissenschaftlicher Fortschritt. Sie erweitert unser Verständnis der genetischen Faktoren, die zur Schlaganfallentstehung beitragen. Für die praktische Gesundheitsvorsorge bleibt jedoch entscheidend: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Nichtrauchen und der Kontrolle klassischer Risikofaktoren ist nach wie vor die wirksamste Methode der Schlaganfallprävention. Die Blutgruppe ist nur ein kleiner Baustein im großen Puzzle der Gesundheitsvorsorge – aber einer, der unser Bewusstsein für die Komplexität unserer biologischen Individualität schärft. Kennen Sie Ihre Blutgruppe? Falls nicht, ist das bei der nächsten Blutuntersuchung eine Information wert. Nicht um sich Sorgen zu machen, sondern um ein vollständigeres Bild Ihrer gesundheitlichen Ausgangslage zu bekommen und gemeinsam mit Ihrem Arzt die beste Präventionsstrategie zu entwickeln.

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