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Ewigkeitschemikalien unter Verdacht: Wie PFAS das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen können
Andrea Peschitz 4 Min. Lesezeit 522. Juli 2025
Sie sind unsichtbar, aber überall: PFAS-Chemikalien, auch als „Ewigkeitschemikalien" bekannt, stecken in unzähligen Alltagsprodukten und gelangen über die Nahrungskette in unseren Körper. Eine...
Sie sind unsichtbar, aber überall: PFAS-Chemikalien, auch als „Ewigkeitschemikalien" bekannt, stecken in unzähligen Alltagsprodukten und gelangen über die Nahrungskette in unseren Körper. Eine aktuelle Studie der Mount Sinai-Forscher zeigt nun einen alarmierenden Zusammenhang auf – diese synthetischen Substanzen könnten das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich erhöhen. Die Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf die unterschätzte Gefahr von Umweltgiften für chronische Krankheiten.
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind synthetische Chemikalien, die seit den 1940er Jahren in der Industrie eingesetzt werden. Ihre besonderen Eigenschaften – sie sind hitze-, öl-, wasser- und fleckenresistent – machen sie zu einem beliebten Bestandteil in Antihaftbeschichtungen, wasserabweisender Kleidung und Verpackungen. Das Problem: Diese Substanzen bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab und reichern sich über Jahre im menschlichen Körper an.
Die neue Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift eBioMedicine, analysierte Daten von 360 Teilnehmern aus der BioMe-Datenbank des Mount Sinai Hospital in New York. Die Forscher verglichen 180 Menschen, die kürzlich an Typ-2-Diabetes erkrankt waren, mit 180 gesunden Kontrollpersonen ähnlichen Alters und Geschlechts. Dabei zeigte sich ein erschreckender Trend: Mit jedem Anstieg der PFAS-Belastung im Blut stieg das Diabetesrisiko um 31 Prozent.
„Unsere Studie ist eine der ersten, die untersucht, wie diese Chemikalien den Stoffwechsel des Körpers auf eine Weise stören können, die das Diabetesrisiko erhöht", erklärt Studienleiter Dr. Vishal Midya von der Icahn School of Medicine. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass PFAS offenbar Stoffwechselwege beeinträchtigen, die für die Aminosäure-Biosynthese und den Medikamentenstoffwechsel wichtig sind – beides Prozesse, die eng mit der Blutzuckerregulation verknüpft sind.
Versteckte Gefahr in Alltagsprodukten
PFAS-Chemikalien lauern praktisch überall in unserem Alltag. Antihaftpfannen, schmutzabweisende Teppiche, wasserdichte Sportkleidung, Kosmetika und sogar Lebensmittelverpackungen können diese Substanzen enthalten. Über die Nahrung, das Trinkwasser und die Atemluft gelangen sie in unseren Organismus, wo sie sich im Fettgewebe und in der Leber ansammeln. Besonders problematisch: PFAS werden auch als „Ewigkeitschemikalien" bezeichnet, weil sie sich weder in der Umwelt noch im menschlichen Körper abbauen. Studien haben gezeigt, dass diese Substanzen jahrzehntelang im Körper verbleiben können. Die Halbwertszeit – also die Zeit, bis sich die Konzentration halbiert hat – beträgt bei einigen PFAS-Varianten mehrere Jahre. Die gesundheitlichen Auswirkungen gehen dabei weit über Diabetes hinaus. Frühere Untersuchungen haben bereits Verbindungen zu Leberkrankheiten, Krebs, Immunschwäche und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgezeigt. „Die wachsende Forschung deutet darauf hin, dass PFAS ein Risikofaktor für mehrere chronische Krankheiten sind", betont Co-Autorin Dr. Damaskini Valvi.Stoffwechsel im Visier der Chemikalien
Die Mount Sinai-Studie liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie PFAS-Exposition zu Typ-2-Diabetes führen könnte. Die Forscher entdeckten Veränderungen in metabolischen Signalwegen, die für die Blutzuckerkontrolle entscheidend sind. Insbesondere scheinen die Chemikalien die Synthese bestimmter Aminosäuren zu beeinträchtigen, die wiederum eine Schlüsselrolle im Glukosestoffwechsel spielen. Diese Erkenntnisse sind besonders relevant, da Typ-2-Diabetes zu einer der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit geworden ist. Allein in Deutschland sind schätzungsweise sieben Millionen Menschen betroffen. Während Faktoren wie Übergewicht, mangelnde Bewegung und genetische Veranlagung als Hauptrisikofaktoren gelten, rücken Umweltgifte wie PFAS zunehmend in den Fokus der Präventionsforschung. Die Studie zeigt auch, dass vulnerable Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sein könnten. Menschen in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten sind oft höheren PFAS-Konzentrationen ausgesetzt, etwa durch kontaminiertes Trinkwasser oder die Nähe zu Industrieanlagen. Dies könnte die bestehenden gesundheitlichen Ungleichheiten weiter verstärken.Zeit für bewusste Entscheidungen
Die Erkenntnisse der Mount Sinai-Studie sollten uns alle zum Nachdenken anregen. Während wir die PFAS-Belastung in der Umwelt nicht vollständig vermeiden können, gibt es durchaus Möglichkeiten, die persönliche Exposition zu reduzieren. Verzichten Sie auf Antihaftpfannen mit beschädigter Beschichtung, wählen Sie PFAS-freie Kosmetika und Textilien, und informieren Sie sich über die Qualität Ihres Trinkwassers. Gleichzeitig braucht es dringend politische Maßnahmen: strengere Regulierung von PFAS-Chemikalien, bessere Überwachung der Umweltbelastung und mehr Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen. Nur so können wir das Risiko für Millionen von Menschen reduzieren und künftige Generationen vor den Folgen der „Ewigkeitschemikalien" schützen. Sprechen Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch auch über Umweltfaktoren – sie könnten wichtiger für Ihre Gesundheit sein, als Sie denken.Newsletter abonnieren
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