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Lithiummangel als möglicher Schlüsselfaktor bei Alzheimer identifiziert

Bernd Haubner 3 Min. Lesezeit 511. August 2025
Lithiummangel als möglicher Schlüsselfaktor bei Alzheimer identifiziert
Offensichtlich führt der Mangel am Spurenelement Lithium eine wichtige Rolle beim Ausbruch von Alzheimer-Erkrankungen. Dieses Mineral erfüllt dort eine wichtige Schutzfunktion. Ein interdisziplinäres...
Offensichtlich führt der Mangel am Spurenelement Lithium eine wichtige Rolle beim Ausbruch von Alzheimer-Erkrankungen. Dieses Mineral erfüllt dort eine wichtige Schutzfunktion. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Harvard Medical School hat in einer umfassenden, zehn Jahre dauernden Untersuchung Hinweise darauf gefunden, dass ein bislang wenig beachteter Faktor eine zentrale Rolle beim Ausbruch der Alzheimer-Krankheit spielen könnte: ein Mangel an natürlichem Lithium im Gehirn. Die in Nature veröffentlichte Studie liefert erstmals den Nachweis, dass Lithium nicht nur im menschlichen Gehirn vorkommt, sondern dort eine essenzielle Schutzfunktion gegen neurodegenerative Prozesse erfüllt. Die Analyse basierte auf einer Kombination aus Tierversuchen, Gewebeuntersuchungen und der Auswertung von Blut- und Hirnproben von Menschen in unterschiedlichen Stadien kognitiver Gesundheit. Dabei zeigte sich, dass der Verlust von Lithium im Gehirn zu den frühesten messbaren Veränderungen im Verlauf von Alzheimer gehört. Bei Mäusen beschleunigte ein solcher Lithiumverlust die Bildung typischer Alzheimer-Marker wie Amyloid-Beta-Plaques, führte zu einer Zerstörung neuronaler Verbindungen und zu messbaren Gedächtnisdefiziten. Ein entscheidender Mechanismus scheint darin zu bestehen, dass Amyloid-Beta-Ablagerungen Lithium im Frühstadium der Erkrankung binden und dessen Verfügbarkeit für neuronale Funktionen reduzieren. Diese Lithiumverarmung betrifft sämtliche Hauptzelltypen des Gehirns und begünstigt pathologische Veränderungen, die der Alzheimer-Krankheit entsprechen. Die Forscher identifizierten daraufhin eine Klasse von Lithiumverbindungen, die dieser Bindung entgehen können. Besonders das Präparat Lithiumorotat erwies sich im Mausmodell als vielversprechend: Es kehrte bestehende Alzheimer-typische Veränderungen um, verhinderte neuronale Schäden und stellte die Gedächtnisleistung wieder her – und das bei einer Dosis, die nur ein Tausendstel der für psychiatrische Anwendungen üblichen Mengen beträgt. https://twitter.com/EWCiolko/status/1954753286705217854

Ein wichtiger Schritt zur Prävention?

Von besonderem Interesse ist, dass Lithiumorotat auch in Langzeitbehandlungen bei Mäusen keine toxischen Effekte zeigte. Dies könnte die bekannten Risiken herkömmlicher Lithiumpräparate, wie sie etwa bei bipolaren Störungen eingesetzt werden, erheblich reduzieren. Dennoch betonen die Autoren, dass der Einsatz bei Menschen erst nach sorgfältiger klinischer Prüfung in Erwägung gezogen werden kann. Die Studie liefert nicht nur eine potenziell neue Erklärung für die Entstehung von Alzheimer, sondern eröffnet auch Perspektiven für Diagnostik und Prävention. So könnte die Messung von Lithiumspiegeln im Blut künftig dazu beitragen, Risikopersonen frühzeitig zu identifizieren. Auch eine prophylaktische Stabilisierung des Lithiumhaushalts in einem physiologischen Bereich wird als denkbare Strategie diskutiert. Epidemiologische Beobachtungen hatten zuvor bereits einen Zusammenhang zwischen höheren Lithiumgehalten in Trinkwasser und geringeren Demenzraten nahegelegt. Die nun vorliegenden Daten stützen diese Korrelation, indem sie einen direkten neurobiologischen Wirkmechanismus aufzeigen. Lithium wirkt demnach ähnlich wie essentielle Mikronährstoffe – vergleichbar mit Eisen oder Vitamin C – und ist in seiner physiologischen Konzentration für die Erhaltung der neuronalen Integrität von Bedeutung. Für die weitere Forschung zeichnen sich zwei Hauptansätze ab: Zum einen sollen amyloidresistente Lithiumverbindungen wie Lithiumorotat in präklinischen und klinischen Studien geprüft werden. Zum anderen könnten standardisierte Bluttests helfen, den Lithiumstatus in Risikogruppen zu überwachen und gezielt zu optimieren. Dabei bleibt unklar, ob die Ergebnisse aus Tiermodellen vollständig auf den Menschen übertragbar sind – ein Umstand, den die Studienleiter ausdrücklich hervorheben. „Unsere Daten legen nahe, dass Lithium nicht nur ein Nebenaspekt, sondern ein treibender Faktor im Alzheimer-Prozess sein könnte“, erklärte Studienleiter Bruce Yankner. „Sollte sich dies in klinischen Studien bestätigen, könnte ein therapeutischer Ansatz, der den Lithiumhaushalt im Gehirn stabilisiert, weit über die Wirkung bisheriger Anti-Amyloid- oder Anti-Tau-Therapien hinausgehen.“

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