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Nanopartikel fangen Corona ab - Neuer Ansatz könnte Infektionen fast komplett stoppen

Bernd Haubner 3 Min. Lesezeit 514. August 2025
Nanopartikel fangen Corona ab - Neuer Ansatz könnte Infektionen fast komplett stoppen
Stellen Sie sich vor, man könnte das Coronavirus einfach austricksen, bevor es überhaupt Schaden anrichtet. Genau daran haben Wissenschaftler aus Wales und Deutschland gearbeitet. Ein internationales...

Stellen Sie sich vor, man könnte das Coronavirus einfach austricksen, bevor es überhaupt Schaden anrichtet. Genau daran haben Wissenschaftler aus Wales und Deutschland gearbeitet. Ein internationales Team unter Leitung der Swansea University hat winzige, zuckerbeschichtete Nanopartikel entwickelt, die SARS-CoV-2 davon abhalten, in menschliche Zellen einzudringen.

Der Trick dahinter ist verblüffend einfach: Das Virus sucht auf der Oberfläche unserer Zellen nach bestimmten „Andockstellen“, um sich festzuhalten. Diese bestehen aus speziellen Zuckermolekülen, sogenannten Polysialosiden. Die Forscher haben diese Strukturen künstlich nachgebaut und auf ein Nanopartikel gepackt. Für das Virus sieht das täuschend echt aus – es bindet sich an den falschen Ort und kann so keine Zelle infizieren.

In Labortests funktionierte das erstaunlich gut: Auf menschlichen Lungenzellen wurde die Infektionsrate um 98,6 Prozent reduziert. Sogar gegen eine besonders ansteckende Variante, die D614G-Mutation, zeigte die Methode Wirkung. Und das Beste: Schon winzige Mengen des Nanopartikels reichten aus, um den Schutz zu erzielen.

„Dieses Ergebnis eröffnet ganz neue Möglichkeiten, Viren gezielt zu blockieren“, sagt Dr. Sumati Bhatia, Chemikerin an der Swansea University und Leiterin der Studie. „Statt auf eine Immunreaktion zu setzen, schaffen wir eine physische Barriere, die das Virus gar nicht erst an die Zelle lässt.“

Kurz & knapp:

  • Zuckerbeschichtete Nanopartikel blockieren SARS-CoV-2 zu 98,6 % in Labortests.

  • Virus bindet an künstliche Zuckerstruktur statt an menschliche Zellen.

  • Wirksam gegen Originalstamm und D614G-Variante.

  • Potenzial auch gegen Influenza, RSV und andere Atemwegsviren.

Die Einsatzmöglichkeiten gehen weit über Covid-19 hinaus. Da viele Atemwegsviren, darunter Influenza (Grippeviren), das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) oder auch bestimmte Coronaviren, ähnliche Mechanismen nutzen, um an menschliche Zellen anzudocken, könnte das Glycosystem-Prinzip auch hier greifen. In Zukunft ließen sich so möglicherweise ganze Familien von Atemwegsviren blockieren, noch bevor sie den Körper befallen.

Vorstellbar wären etwa Nasensprays, die in der Grippesaison täglich angewendet werden, um das Ansteckungsrisiko zu senken. Auch in Pflegeheimen oder Krankenhäusern könnten Oberflächenbeschichtungen mit diesen Nanopartikeln helfen, Ausbrüche zu verhindern – gerade bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Sogar mobile Anwendungen wie Luftfilter mit einer Glycosystem-Schicht wären denkbar, um virushaltige Aerosole in Innenräumen zu neutralisieren.

Der große Vorteil dieses Ansatzes: Er ist nicht auf eine spezifische Virusvariante zugeschnitten, wie es bei Impfstoffen oft der Fall ist. Stattdessen wirkt er wie ein „universeller Türsteher“, der Viren mit bestimmten Andockmustern schlicht nicht durchlässt. Das eröffnet die Chance auf einen dauerhaften Basisschutz – nicht nur für das Coronavirus, sondern auch für zukünftige Ausbrüche unbekannter Erreger.

Noch ist die Technologie nicht für den Alltag verfügbar. Die Forscher bereiten weitere Tests in Hochsicherheitslaboren vor, um die Wirksamkeit gegen verschiedene Virusvarianten zu prüfen. Doch das Potenzial ist groß: Diese „Virenfalle“ könnte zu einer neuen, cleveren Waffe im Kampf gegen Krankheitserreger werden.

Quellen:
Swansea University – Pressemitteilung
DOI: 10.1002/smll.202500719

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