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Revolutionärer Gentest sagt Chemotherapie-Resistenzen voraus – Millionen Krebspatienten könnten profitieren
Bernd Haubner 5 Min. Lesezeit 328. Juni 2025
Spanische Forscher entwickeln bahnbrechenden Test, der anhand von Chromosomen-Instabilitätssignaturen vorhersagt, welche Patienten nicht auf Standard-Chemotherapien ansprechen. Die Innovation könnte...
Spanische Forscher entwickeln bahnbrechenden Test, der anhand von Chromosomen-Instabilitätssignaturen vorhersagt, welche Patienten nicht auf Standard-Chemotherapien ansprechen. Die Innovation könnte überflüssige Behandlungen und deren Nebenwirkungen verhindern.
Personalisierte Krebsmedizin erreicht neuen Meilenstein
Die Chemotherapie gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Waffen im Kampf gegen Krebs. Doch ein großes Problem bleibt bestehen: Nicht alle Patienten sprechen auf die Behandlung an. Zwischen 20 und 50 Prozent der Krebspatienten reagieren nicht auf herkömmliche Chemotherapeutika wie Platin-, Taxan- oder Anthrazyklin-basierte Medikamente. Diese Patienten leiden unter den erheblichen Nebenwirkungen, ohne dass ihre Erkrankung zurückgeht. Forscher des spanischen Nationalen Krebsforschungszentrums (CNIO) haben nun gemeinsam mit der Universität Cambridge und dem Startup-Unternehmen Tailor Bio eine innovative Lösung entwickelt. Ihr neuer Gentest Chemotherapie Resistenzen kann vorhersagen, welche Patienten nicht auf Standard-Chemotherapien ansprechen werden. Die bahnbrechenden Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht.Wie CIN signatures die Krebsbehandlung revolutionieren
Das innovative Verfahren basiert auf einer bemerkenswerten Eigenschaft von Tumorzellen: Viele Krebsarten sammeln Veränderungen in der Anzahl ihrer Chromosomen an. Diese sogenannten Chromosomen-Instabilitätssignaturen (CIN signatures) führen dazu, dass Krebszellen nicht die korrekte Menge an genetischem Material besitzen. "Wir haben einen Weg gefunden, konventionelle Chemotherapien in präzisionsmedizinische Behandlungen zu verwandeln", erklärt Geoff Macintyre, Leiter der Computational Oncology Group am CNIO. Die Chromosomenveränderungen variieren von Tumor zu Tumor, bilden aber charakteristische Muster. Diese Signaturen der Chromosomen-Instabilität nutzen die Forscher als Biomarker, um Chemotherapie Resistenzen vorherzusagen. Der Test kann bei verschiedensten Krebsarten angewendet werden und könnte somit Hunderttausende von Patienten jährlich vor wirkungslosen Behandlungen bewahren. "Unser genomischer Test quantifiziert Biomarker für den gezielten Einsatz von drei Chemotherapien", betont CNIO-Forscher Joe Sneath Thompson.Validierung mit über 840 Patientendaten bestätigt Wirksamkeit
Die Entwicklung des Tests war nur der erste Schritt. Um die Zuverlässigkeit zu beweisen, führten die Wissenschaftler eine innovative Validierungsstudie durch. Sie analysierten retrospektiv Daten von 840 Patienten mit verschiedenen Krebsarten, darunter Brust-, Prostata-, Eierstock- und Sarkomkrebs. Das Besondere an dieser Herangehensweise: Die Forscher simulierten klinische Studien mit bereits vorhandenen Patientendaten. "Wir konnten die Wirksamkeit unserer Resistenz-Biomarker für drei Arten von Chemotherapien demonstrieren: Platinverbindungen, Taxane und Anthrazykline", erklärt Barbara Hernando vom CNIO-Team. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Der Tumorgenom Prognose-Test kann zuverlässig identifizieren, welche Patienten nicht auf diese Standard-Chemotherapien ansprechen werden. Dies ermöglicht es Ärzten, frühzeitig alternative Behandlungsstrategien zu entwickeln und Patienten vor unnötigen Belastungen zu schützen.Praxisnutzen für Ärzte und Patienten
Der neue platin taxan anthrazyklin Resistenztest bringt erhebliche Vorteile für die klinische Praxis mit sich. Patienten, bei denen eine Resistenz gegen bestimmte Chemotherapeutika vorhergesagt wird, können von Anfang an alternative Behandlungen erhalten. Dies spart nicht nur wertvolle Zeit, sondern erspart den Betroffenen auch die oft schwerwiegenden Nebenwirkungen einer wirkungslosen Therapie. "Diese Biomarker ermöglichen es uns, im Voraus zu erkennen, welche Patienten resistent gegen diese Behandlungen sind, sodass sie unnötige Nebenwirkungen vermeiden können", betont Macintyre. Neben dem Patientennutzen profitiert auch das Gesundheitssystem durch die Vermeidung kostspieliger, unwirksamer Behandlungen und der damit verbundenen Komplikationen. Die personalisierte Krebsmedizin macht durch solche Entwicklungen einen entscheidenden Schritt nach vorn. Statt des "One-size-fits-all"-Ansatzes können Onkologen künftig maßgeschneiderte Therapieentscheidungen treffen, die auf den genetischen Eigenschaften des individuellen Tumors basieren.Weg in die Klinik: CNIO Cambridge Tailor Bio Kooperation
Der Übergang von der Forschung in die klinische Anwendung ist bereits in vollem Gange. Die Kooperation zwischen CNIO Cambridge Tailor Bio hat bereits Fördergelder vom spanischen Ministerium für digitale Transformation und öffentliche Verwaltung erhalten. In Zusammenarbeit mit dem Universitätskrankenhaus 12 de Octubre werden die Forscher die Integration der Technologie in das Gesundheitssystem evaluieren. Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2026 soll die Technologie bereit für klinische Studien sein. "Die Überführung eines Biomarkers von der Entdeckungsphase in die Klinik ist selten einfach. Aber mit Ausdauer und Zusammenarbeit ist es möglich, ein Forschungsprojekt in eine wirklich vielversprechende Technologie zu verwandeln", zeigt sich Macintyre optimistisch. Die Finanzierung für die neue Validierungsstudie kommt von der Europäischen Union über die Recovery and Resilience Facility sowie NextGenerationEU-Fonds. Diese Unterstützung unterstreicht die Bedeutung, die der Innovation auf europäischer Ebene beigemessen wird.Ausblick: Weitere Tests für zielgerichtete Therapien
Der Erfolg des ersten Tests hat die Forscher ermutigt, ihre Arbeit auszuweiten. Bereits jetzt arbeitet das Team an der Entwicklung weiterer Tests für zielgerichtete Therapien. Dies könnte die Anwendungsmöglichkeiten der Technologie erheblich erweitern und noch mehr Patienten zugutekommen. Die Studie wurde durch verschiedene Institutionen unterstützt, darunter das Carlos III Gesundheitsinstitut, das Ministerium für Wissenschaft und Innovation, Cancer Research UK und die "la Caixa" Stiftung. Diese breite Unterstützung zeigt das Vertrauen der wissenschaftlichen Gemeinschaft in das Potenzial der Technologie.Ein Paradigmenwechsel in der Krebsbehandlung
Der neue genomische Test markiert einen wichtigen Meilenstein in der personalisierten Krebsmedizin. Durch die Vorhersage von Chemotherapie Resistenzen anhand von CIN signatures können Ärzte künftig präzisere Behandlungsentscheidungen treffen. Patienten profitieren von maßgeschneiderten Therapien ohne unnötige Belastungen, während das Gesundheitssystem Kosten spart. Wenn Sie oder Angehörige von einer Krebserkrankung betroffen sind, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Onkologen über die neuesten Entwicklungen in der personalisierten Medizin. Informieren Sie sich über verfügbare Gentests und deren möglichen Nutzen für Ihre individuelle Situation. Die Zukunft der Krebsbehandlung wird immer präziser – und dieser Test ist ein wichtiger Baustein auf diesem Weg.Newsletter abonnieren
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