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Schwarzer Tee stoppt Corona-Viren im Mundraum

Andrea Peschitz 4 Min. Lesezeit 525. Juni 2025
Schwarzer Tee stoppt Corona-Viren im Mundraum
Offensichtlich mögen Coronaviren die Polyphenole in schwarzem Tee nicht. Dies haben US-Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen festgestellt. SARS-CoV-2 hatte keine Chance. Eine Tasse Tee am Morgen –...
Offensichtlich mögen Coronaviren die Polyphenole in schwarzem Tee nicht. Dies haben US-Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen festgestellt. SARS-CoV-2 hatte keine Chance. Eine Tasse Tee am Morgen – könnte sie mehr sein als nur ein warmer Start in den Tag? Forscher der University of Georgia haben eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: Bestimmte Teesorten können das Corona-Virus SARS-CoV-2 bereits im Speichel unschädlich machen, bevor es überhaupt die Chance hat, sich in den Atemwegen festzusetzen. Schwarzer Tee erwies sich dabei als besonders wirkungsvoll und reduzierte die Ansteckungsfähigkeit des Virus innerhalb von zehn Sekunden um 99,9 Prozent. Die Mundschleimhaut gilt als Eingangstor für das Corona-Virus. Hier siedelt sich SARS-CoV-2 zunächst an, vermehrt sich und wandert dann in die tieferen Atemwege. Genau an diesem neuralgischen Punkt könnte eine simple Tasse Tee zur ersten Verteidigungslinie werden – eine Erkenntnis, die weitreichende Bedeutung für den Alltag haben könnte. Malak Esseili, Virologe am Zentrum für Lebensmittelsicherheit der University of Georgia, erklärt die Überlegung hinter der im Juni 2024 veröffentlichten Studie: Da das Virus zunächst die Mundhöhle besiedelt, seien präventive Maßnahmen von großer Bedeutung, die man bereits zu Hause und ohne ärztliche Hilfe durchführen könne. Das Ziel: die Viruslast schon im Mundraum zu reduzieren, damit gar nicht erst so viele Erreger in die unteren Atemwege gelangen.

Die Kraft der Polyphenole

Die Forscher testeten 24 verschiedene Teesorten systematisch. Dabei mischten sie Tee-Aufgüsse fünf Minuten lang bei Körpertemperatur mit dem Virus und beobachteten, was geschah. Fünf Teesorten stachen heraus: Sie zeigten eine signifikante Reduktion der Virusinfektiosität und wurden daraufhin genauer unter die Lupe genommen. In der entscheidenden Testphase konfrontierten die Wissenschaftler diese fünf Kandidaten in zwei unterschiedlichen Konzentrationen mit Corona-Viren im Speichel. Das Ergebnis war eindeutig: Schwarzer Tee dominierte das Feld. Schon bei einer relativ niedrigen Konzentration von zehn Milligramm pro Milliliter genügten zehn Sekunden Kontaktzeit, um die Ansteckungsfähigkeit des Virus um 99,9 Prozent zu senken. Auch die anderen Tee-Varianten zeigten beachtliche Erfolge. Grüner Tee, Minztee, eine Mischung aus Eukalyptus und Minze sowie Himbeerblätter-Hibiskus-Tee erreichten Reduktionsraten zwischen 96 und 99 Prozent. Bei höheren Konzentrationen von 40 Milligramm pro Milliliter schafften alle fünf Teesorten sogar eine Virenreduktion von mehr als 99,9 Prozent – und das binnen zehn Sekunden. Der Schlüssel zu dieser antiviralen Wirkung liegt in den sekundären Pflanzenstoffen, den sogenannten Polyphenolen. Diese natürlichen Verbindungen sind seit langem für ihre gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt. Die Studie bestätigte einen direkten Zusammenhang: Je höher der Polyphenolgehalt eines Tees, desto stärker fiel die Virenreduktion aus.

Timing ist entscheidend

Besonders interessant war die Beobachtung, wann die Tees am wirksamsten sind. Die höchste Schutzwirkung entfalteten sie, wenn sie zeitgleich mit dem Virus angewendet wurden – also genau zu dem Moment, da eine Infektion beginnt. Das macht biologisch Sinn: In diesem Stadium ist die Viruslast noch gering und lässt sich entsprechend effektiv bekämpfen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Vorbeugend eingesetzt reduzierten die Tees die SARS-CoV-2-Menge um 68 bis 90 Prozent. Nach einer bereits eingetretenen Virusinfektion lag die Reduktion bei 94 bis 98 Prozent. Am stärksten jedoch war die Wirkung bei gleichzeitiger Anwendung mit der Virusinfektion – hier wurden 99 bis 99,9 Prozent der Viren unschädlich gemacht. Diese Ergebnisse legen nahe, dass regelmäßiges Teetrinken oder gezieltes Gurgeln mit Tee durchaus als unterstützende Maßnahme in der Infektionsprävention dienen könnte. Für den Hausgebrauch empfehlen die Forscher eine Zubereitung von zehn Gramm Tee pro Liter Wasser, zehn Minuten ziehen lassen – ohne Milch oder Zucker. Wer den Tee zum Gurgeln verwenden möchte, sollte die vierfache Menge nehmen, also 40 Gramm pro Liter.

Realistische Einschätzung der Schutzwirkung

Doch Vorsicht vor übertriebenen Erwartungen. Die beeindruckenden Prozentsätze täuschen über eine wichtige Tatsache hinweg: In der Mikrobiologie sprechen Experten von Log-Stufen, um die tatsächliche Reduktionsleistung zu bewerten. Bei Desinfektionsmitteln gilt erst eine Log-Stufe von fünf als sehr gute Schutzwirkung. Die getesteten Tees erreichten maximal Log-Stufe drei – durchaus respektabel, aber kein Rundumschutz. Dennoch sollte man diese Einschränkung nicht überbewerten. Viele handelsübliche Desinfektionsmittel arbeiten ebenfalls "nur" mit Log-Stufe drei. Und im Mundraum können ohnehin keine aggressiven Desinfektionsmittel mit Log-Stufe fünf eingesetzt werden – sie würden zu Verätzungen führen. Die Tee-Behandlung kann also durchaus das Immunsystem entlasten und die Viruslast im Mundraum spürbar reduzieren. Sie ersetzt jedoch nicht die etablierten Schutzmaßnahmen, sondern ergänzt sie auf natürliche Weise. So fügt sich eine jahrhundertealte Tradition nahtlos in moderne Präventionsstrategien ein. Was in verschiedenen Kulturen schon lange zur Behandlung von Atemwegserkrankungen genutzt wird, erhält nun wissenschaftliche Bestätigung – zumindest für den ersten Verteidigungswall gegen Corona-Viren. Eine Tasse Tee könnte tatsächlich mehr sein als nur ein warmer Genuss.

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