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Wenn die Haut rebelliert: Psoriasis verstehen lernen
Marco Maier 3 Min. Lesezeit 321. Juni 2025
Ein Leben mit Psoriasis ist für die Betroffenen nicht angenehm. Neben der Optik sind es vor allem die chronischen Entzündungen, die eine permanente Belastung darstellen. Was kann man tun? Die Haut...
Ein Leben mit Psoriasis ist für die Betroffenen nicht angenehm. Neben der Optik sind es vor allem die chronischen Entzündungen, die eine permanente Belastung darstellen. Was kann man tun?
Die Haut rötet sich, schuppt, juckt – und das oft jahrelang. Psoriasis, umgangssprachlich Schuppenflechte genannt, betrifft allein in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen. Was lange als reine Hautkrankheit galt, entpuppt sich zunehmend als komplexes Entzündungsgeschehen mit weitreichenden Folgen. Neue Therapien geben Hoffnung – doch der Weg zur richtigen Behandlung bleibt individuell.
Die rötlichen, silbrig schuppenden Plaques sind nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Darunter tobt ein immunologischer Sturm, der weit über die Haut hinausreicht.
Das Immunsystem läuft Amok
Im gesunden Körper erneuert sich die Haut etwa alle vier Wochen. Bei Psoriasis-Patienten passiert das binnen weniger Tage. Der Grund: Bestimmte Immunzellen, die T-Helferzellen, senden falsche Signale aus. Sie aktivieren Botenstoffe wie Interleukin-17 und Interleukin-23, die normalerweise Infektionen bekämpfen sollten. Das Resultat? Die Hautzellen teilen sich rasant, Entzündungen entstehen. „Die Erforschung kaum einer anderen Erkrankung hat so grundlegend neue Erkenntnisse über immunologische Regulationen hervorgebracht", so eine aktuelle Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift JDDG . Stress, Infektionen oder Hormonveränderungen können diese Fehlfunktion triggern. Manchmal reicht schon eine kleine Hautverletzung – das sogenannte Köbner-Phänomen.Mehr als nur ein Hautproblem
Längst wissen Mediziner: Psoriasis ist eine systemische Erkrankung. "Die chronische Entzündung im Körper wird als Verbindung zwischen Psoriasis und Depressionen gesehen", erklärt eine Analyse der Deutschen Apotheker Zeitung. Etwa 20 Prozent der Betroffenen entwickeln zusätzlich eine Psoriasis-Arthritis, bei der sich Gelenke entzünden. Auch das Herz-Kreislauf-System leidet. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Grund liegt in den gleichen Entzündungsprozessen, die auch Arterien schädigen können. Die Psyche bleibt ebenfalls nicht verschont. Stigmatisierung und Schmerzen belasten viele Patienten zusätzlich.Revolution durch Biologika
Ein Durchbruch kam mit den sogenannten Biologika – maßgeschneiderten Antikörpern, die gezielt in die Entzündungskaskade eingreifen. "Zur Behandlung der Psoriasis stehen heute 12 Biologika aus 4 verschiedenen Medikamentenklassen zur Verfügung", berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Die Wirkstoffe blockieren spezifische Botenstoffe:- Anti-TNF-α-Hemmer waren die ersten ihrer Art
- Anti-IL-17-Blocker zeigen besonders schnelle Erfolge
- Anti-IL-23-Präparate bieten langanhaltende Wirkung mit seltenen Injektionen
Neue Hoffnung: Tabletten statt Spritzen
Ein besonders vielversprechender Ansatz kommt aus Kiel: "Ein Forschungsteam zeigt in einer klinischen Phase-2-Studie die Wirksamkeit einer auf einer IL-23 Blockade basierenden Therapie, die oral verabreicht wird". Statt alle paar Wochen zum Arzt, könnten Patienten künftig einfach eine Tablette schlucken.Der Weg zur personalisierten Medizin
Doch welches Biologikum für wen? Diese Frage beschäftigt Dermatologen täglich. Faktoren wie Schweregrad, Begleiterkrankungen und Patientenwünsche spielen eine Rolle. Manche sprechen besser auf IL-17-Blocker an, andere profitieren von IL-23-Hemmern. "IL-23-Antikörper haben exzellente Ergebnisse bei einem sehr guten Nebenwirkungsprofil erbracht", so die Fachliteratur. Ein Vorteil: Anders als bei IL-17-Blockern steigt das Risiko für Pilzinfektionen nicht an. Forscher arbeiten an Biomarkern, die vorhersagen sollen, wer von welcher Therapie profitiert. Das Ziel: personalisierte Behandlung statt Trial-and-Error.Leben mit chronischer Entzündung
Psoriasis bleibt meist ein lebenslanger Begleiter. Doch die Zeiten, in denen Patienten mit Teersalben und UV-Bestrahlungen vorliebnehmen mussten, sind vorbei. Moderne Therapien können die Haut nahezu erscheinungsfrei werden lassen. Wichtig bleibt der ganzheitliche Blick: Stressmanagement, gesunde Ernährung und regelmäßige Kontrollen der Begleiterkrankungen gehören dazu. Auch die Psyche braucht oft Unterstützung – Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen helfen dabei. Die Forschung steht nicht still. Neue Angriffspunkte werden erforscht, die Therapie wird immer präziser. Für Betroffene bedeutet das: mehr Lebensqualität und weniger Einschränkungen im Alltag. Die rebellische Haut lässt sich zwar nicht vollständig zähmen – aber deutlich beruhigen.Newsletter abonnieren
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