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Säure-Basen-Haushalt: Übersäuerung – Mythos oder medizinische Realität?
Bernd Haubner 4 Min. Lesezeit 328. Juni 2025
Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Hautprobleme – immer häufiger werden diese Symptome mit einer „Übersäuerung" des Körpers in Verbindung gebracht. Doch was ist dran an diesem Konzept? Zwischen...
Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Hautprobleme – immer häufiger werden diese Symptome mit einer „Übersäuerung" des Körpers in Verbindung gebracht. Doch was ist dran an diesem Konzept? Zwischen medizinischen Fakten und alternativmedizinischen Theorien herrscht oft Verwirrung, wenn es um den Säure-Basen-Haushalt geht.
Was passiert wirklich in unserem Körper?
Der Säure-Basen-Haushalt ist ein faszinierendes Regulationssystem, das rund um die Uhr arbeitet. Der pH-Wert des Bluts muss konstant zwischen 7,35 und 7,44 gehalten werden – eine leicht basische Umgebung, die für alle Stoffwechselvorgänge entscheidend ist. Bei Schwankungen von über 0,5 wird es für den Organismus lebensbedrohlich. Unser Körper verfügt über mehrere ausgeklügelte Puffersysteme: Die Lunge reguliert über die Atmung den Kohlendioxidgehalt, die Nieren scheiden Säuren über den Urin aus, und verschiedene Puffersubstanzen im Blut fangen überschüssige Säuren oder Basen ab. Diese Mechanismen funktionieren so präzise, dass normalerweise ein mehr oder weniger gleichbleibender pH-Wert zwischen 7,36 und 7,44 vorliegt.Medizinische Übersäuerung versus alternativmedizinische Konzepte
Hier wird es spannend: In der Medizin spricht man von einer Azidose oder Alkalose nur dann, wenn diese strengen pH-Grenzen überschritten werden. Eine medizinische Azidose liegt vor, wenn der pH-Wert unter 7,35 fällt – ein ernsthafter Zustand, der sofortige medizinische Behandlung erfordert und meist durch Erkrankungen der Lunge, Nieren oder des Stoffwechsels verursacht wird. Das alternativmedizinische Konzept der „latenten Übersäuerung" arbeitet hingegen mit anderen Parametern. Hier geht es um subtilere Verschiebungen im Säure-Basen-Gleichgewicht, die sich nicht unbedingt in den Blut-pH-Werten widerspiegeln. Für dieses Konzept fehle bis heute der wissenschaftliche Beweis, so Ernährungsexperten.Übersäuerung Symptome: Was steckt dahinter?
Viele Menschen berichten von Beschwerden, die in der Alternativmedizin als Übersäuerung Symptome gedeutet werden: chronische Müdigkeit, Antriebsschwäche, Nervosität, erhöhte Stressempfindlichkeit und Reizbarkeit. Diese Symptome sind real und belastend – doch ihre Ursachen können vielfältig sein. Die moderne Medizin erklärt solche unspezifischen Beschwerden eher durch Faktoren wie chronischen Stress, Schlafmangel, Nährstoffdefizite oder entzündliche Prozesse. Dennoch berichten manche Menschen von einer Besserung ihrer Symptome, wenn sie ihre Ernährung umstellen und mehr basische Lebensmittel konsumieren.Ernährung und Säure-Basen-Gleichgewicht: Die Rolle der basischen Ernährung
Auch wenn die „latente Übersäuerung" wissenschaftlich umstritten ist, kann eine bewusste Ernährung durchaus positive Effekte haben. Menschen, die zur Übersäuerung neigen, sollten säurebildende Nahrungsmittel wie tierische Lebensmittel, Milchprodukte und Süßigkeiten reduzieren. Eine basische Ernährung setzt auf viel Gemüse, Obst, Kräuter und wenig verarbeitete Lebensmittel. Diese Ernährungsweise bringt automatisch mehr Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe mit sich – Nährstoffe, die nachweislich entzündungshemmend wirken und das Wohlbefinden steigern können. Interessant ist: Wenn Menschen durch eine „entsäuernde" Ernährung mehr Energie haben oder sich besser fühlen, liegt das möglicherweise weniger an der pH-Regulierung als vielmehr an der insgesamt hochwertigeren Lebensmittelauswahl.Den pH-Wert regulieren: Was können Sie wirklich tun?
Ihr Körper reguliert den pH-Wert selbst – und das macht er außerordentlich gut. Dennoch können Sie ihn dabei unterstützen: Ernährung überdenken: Mehr Gemüse, weniger stark verarbeitete Lebensmittel. Das hilft nicht nur theoretisch dem Säure-Basen-Gleichgewicht, sondern liefert definitiv mehr Nährstoffe. Ausreichend trinken: Wasser unterstützt die Nieren bei ihrer Entgiftungsarbeit und hilft beim Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Stress reduzieren: Chronischer Stress kann tatsächlich den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen, da er die Atmung verändert und Entzündungsprozesse fördert. Bewegung einbauen: Regelmäßige Aktivität verbessert die Durchblutung und unterstützt alle Entgiftungsorgane.Übersäuerung natürlich behandeln: Ein differenzierter Blick
Die Frage „Kann der Körper übersäuern?" lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Medizinisch relevante Übersäuerung ist selten und erfordert ärztliche Behandlung. Die in der Alternativmedizin diskutierte „latente Übersäuerung" ist wissenschaftlich nicht belegt. Trotzdem können die oft empfohlenen Maßnahmen – wie eine gemüsereiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und Stressreduktion – durchaus sinnvoll sein. Sie wirken nur möglicherweise anders als gedacht: nicht über die pH-Regulierung, sondern über eine bessere Nährstoffversorgung und weniger entzündliche Prozesse.Ganzheitliche Gesundheit ohne Dogma
Der Säure-Basen-Haushalt zeigt eindrucksvoll, wie komplex unser Körper funktioniert. Statt sich auf die Frage zu fokussieren, ob eine „Übersäuerung" existiert, lohnt es sich, auf die Signale des eigenen Körpers zu hören. Wenn Sie sich müde und unausgeglichen fühlen, kann eine Ernährungsumstellung hin zu mehr pflanzlichen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln durchaus helfen – unabhängig von pH-Werten. Ihr nächster Schritt: Beobachten Sie eine Woche lang, wie Sie sich nach verschiedenen Mahlzeiten fühlen. Experimentieren Sie mit mehr Gemüse und weniger stark verarbeiteten Produkten. Ihr Körper wird Ihnen zeigen, was ihm guttut – ganz ohne komplizierte pH-Berechnungen. Haben Sie bereits Erfahrungen mit basischer Ernährung gemacht? Teilen Sie Ihre Beobachtungen und lassen Sie sich von einem ganzheitlichen Ansatz zur Gesundheit inspirieren, der Wissenschaft und Wohlbefinden gleichermaßen berücksichtigt.Newsletter abonnieren
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